Analytisches Raster

ANERKENNUNGSKRITERIEN
  Staatliche Anerkennung des Bildungsabschlusses durch das Land, in dem der Abschluss erworben wurde
Status der Bildungseinrichtung im Herkunftsland
BEURTEILUNGSKRITERIEN
Formale Messgrößen Bilaterale oder multilaterale Abkommen
Relativer Stellenwert des Abschlusses in einem nationalen bzw. internationalen Rahmen
Offizielle Studiendauer
ECTS/Kreditpunkte
Zulassungsvoraussetzungen
Abschlussspezifische Komponenten (Kenntnisse, Kompetenzen, "Learning Outcomes")
Akademische und berufliche Möglichkeiten
Qualitätssicherung Vorliegen einer unabhängigen und externen Bewertung der Ausbildung bzw. der Bildungseinrichtung

Anerkennungskriterienia

Die beiden Kriterien, die die Anerkennungsfähigkeit betreffen, entscheiden unmittelbar über die Annahme oder Ablehnung eines Antrags.

In manchen Ländern muss der Bildungsabschluss von der zuständigen, vom Staat benannten Behörde anerkannt sein, in anderen Ländern muss die Bildungseinrichtung staatlich anerkannt sein.
Wenn der zu prüfende Bildungsabschluss im Herkunftsland nicht staatlich anerkannt ist, kann auch kein Vergleichbarkeitsnachweis ausgestellt werden.

"Die Anerkennung ist eine Art der Bewertung der Qualifikationen einer Einzelperson. Die Bewer­tung kann eine Art Feststellung des Wertes einer ausländischen Qualifikation sein, die Aner­kennung jedoch bezieht sich auf eine von einer zuständigen Behörde ausgestellte förmliche Erklärung, die den Wert der betreffenden Qualifikation bestätigt und aufzeigt, welche Folgen diese Anerkennung für den Inhaber der Qualifikation, deren Anerkennung angestrebt wird, zeitigt."
(Quelle: Erläuternder Bericht zum Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region: Abschnitt I, Begriffsbestimmungen, Artikel 1/ Anerkennung.)

Staatliche Anerkennung des Bildungsabschlusses durch das Land, in dem der Abschluss erworben wurde

Hier geht es um die Anerkennung jedes einzelnen Hochschulabschlusses durch eine zuständige Behörde in dem Land, in dem der Abschluss ausgestellt wurde.

Status der Bildungseinrichtung im Herkunftsland

Durch dieses Kriterium wird ein Konzept abgedeckt, das im französischen Bildungssystem unbekannt ist: in einigen Ländern muss lediglich die Bildungseinrichtung anerkannt sein, damit auch die dort ausgestellten Abschlüsse anerkannt werden.
(Quelle: Anhang zu der Empfehlung über die Verfahren und Kriterien zur Bewertung von ausländischen Qualifikationen und Studienzeiten vom 6. Juni 2001, V, Bewertungskriterien: Status der Bildungseinrichtung, Artikel 29, 30 und 31)

Beurteilungskriterien

Bilaterale oder multilaterale Abkommen

Frankreich hat mit bestimmten Ländern im Rahmen bilateraler Beziehungen Abkommen zur Anerkennung von Hochschulabschlüssen und Studienzeiten unterzeichnet.
In Abhängigkeit von den Unterzeichnern und den abkommensspezifischen Inhalten sind diese Abkommen mehr oder weniger verbindlich.
"Alle diese Texte haben nicht die gleiche Rechtsverbindlichkeit; daher muss immer auch der jeweilige rechtliche Status berücksichtigt werden." (Erklärende Vereinbarung, Paragraf 33)
Besteht ein Abkommen und kann dieses Abkommen zur Prüfung des Abschluss herangezogen werden, so ist dieses Abkommen für die Ausstellung des Vergleichbarkeitsnachweises ausschlaggebend.

Relativer Stellenwert des Abschlusses in einem nationalen bzw. internationalen Rahmen

Um die Vergleiche zwischen ausländischen Bildungsabschlüssen zu erleichtern, haben internationale Organisationen wie z. B. die UNESCO, die europäische Kommission und der Europarat Rahmenwerke definiert und die einzelnen Länder aufgefordert, ihre Bildungsabschlüsse diesen Rahmenwerken nach rahmenspezifischen Kriterien zuzuordnen.
Manche Länder habe ihre Bildungsabschlüsse mehreren Rahmenwerken zugeordnet: ihrem nationalen Rahmen und verschiedenen internationalen Rahmen.
Andere haben ihre Abschlüsse überhaupt keinem Rahmenwerk zugeordnet.
Wenn im Ausstellerland des zu prüfenden Bildungsabschlusses ein nationaler Rahmen existiert, muss das diesem Abschluss entsprechende Ausbildungsniveau berücksichtigt werden.

Die UNESCO schlägt den Ländern zur Referenzierung ihrer nationalen Bildungsabschlüsse bezogen auf gleichgerichtete, internationale Kriterien einen "Internationen Standard zur Klassifizierung von Schultypen" (ISCED - International Standard Classification of Education) vor.
Das europäische Parlament hat am 23. April 2008 den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) für lebenslanges Lernen verabschiedet.
"Es handelt sich um einen Rahmen auf freiwilliger Basis [...]. Bis 2012 sollen die [europäischen] Länder sicherstellen, dass individuelle Qualifikationsbescheinigungen einen Verweis auf das zutreffende EQR-Niveau enthalten".
(Broschüre der europäischen Kommission, GD Bildung und Kultur, 4 Seiten, 2008)

Die französische Nomenklatur von 1969, die zur Beschreibung und zum Vergleich der verschiedenen Qualifikationsniveaus herangezogen wird, ist aus der Nomenklatur von 1967 hervorgegangen.
Die Nomenklatur der Qualifikationsniveaus von 1967 geht aus dem interministeriellen Rundschreiben Nr. 11-67-300 vom 11. Juli 1967 hervor und erschien am 20. Juli 1967 im amtlichen Mitteilungsblatt (BO - Bulletin Officiel) Nr. 29. Alle Ausbildungen, die mit einem Bildungsabschluss der Education Nationale abschließen, werden nach Niveaus klassifiziert.
Die Nomenklatur von 1969 wurde durch Beschluss von der Ständigen Gruppe für Berufsausbildung und Sozialen Aufstieg am 21. März 1969 gebilligt. Bei der Klassifizierung nach Qualifikationsniveaus werden die erworbenen beruflichen Kompetenzen und die von den verschiedenen Ministerien herausgegebenen Abschlusszeugnisse berücksichtigt.

Offizielle Studiendauer

Als offizielle Ausbildungsdauer zum Erwerb eines Bildungsabschlusses gilt die Dauer, die von der Bildungseinrichtung oder Behörde festgesetzt wurde, die das Abschlusszeugnis ausstellt.
Es handelt sich dabei um eine formale Vergleichbarkeitsmessgröße.
Um einen Nachweis für einen Bildungsabschluss beantragen zu können, muss die offizielle Ausbildungsdauer mindestens ein Semester in Vollzeit betragen.
"Generell ist davon auszugehen, dass die Ausbildungsdauer Aufschluss über das Niveau einer Qualifikation gibt. Je größer der Unterschied bei der normalerweise erforderlichen Ausbildungsdauer zum Erwerb einer Qualifikation ist, desto eher ist davon auszugehen, dass die Qualifikationen nicht gleichen Niveaus sind. [...] Bei den meisten Hochschulausbildungsprogrammen sollte ein Unterschied von mindestens einem Jahr als substantiell erachtet werden, während bei Ausbildungsprogrammen, die Hochschulzugang verschaffen, der Unterschied in der Dauer mindestens zwei Jahre betragen sollte, um als substantiell gelten zu können.
(Erklärende Vereinbarung, Paragraf 40)

ECTS/Kreditpunkte

Die Kreditpunkte entsprechen der Messung der im Rahmen einer Ausbildung zum Erwerb von Kenntnissen und Kompetenzen aufzuwendenden Arbeitszeit. Das Kreditpunktesystem wird in zahlreichen Ländern angewendet, in den einzelnen Ländern besteht jedoch keine einheitliche Handhabung.
Um innerhalb des europäischen Raumes den Vergleich und die Anerkennung von Ausbildungsgängen gewährleisten zu können, haben sich die am Bologna-Prozess beteiligten Staaten auf die Einrichtung eines gemeinen Kreditsystems geeinigt (ECTS: European Credit Transfer System).
Im Rahmen des Kopenhagen-Prozesses richten die europäischen Staaten für berufsbildende Qualifikationen die sog. ECVET: European Credits for Vocational Education and Training ein.
In Frankreich entspricht ein Studiensemester an einer Hochschuleinrichtung 30 europäischen ECTS-Punkten.
60 englische Kreditpunkte entsprechen 30 europäischen ECTS-Kreditpunkten.

Zulassungsvoraussetzungen

Die Erfüllung der Zulassungsbedingungen ist Voraussetzung. Diese betreffen hauptsächlich das Ausbildungsniveau und bereits erworbene Abschlüsse, die beispielsweise für den Zugang zu einer Ausbildung vorausgesetzt werden.

Abschlussspezifische Komponenten

Der von Frankreich 1998 initiierte Bologna-Prozess fordert die Teilnehmerstaaten auf, die Lernergebnisse und erworbenen Kompetenzen in den Mittelpunkt zu stellen.
"Die abschlussspezifischen Komponenten umfassen die Studienleistungen in Form von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen, den Grad der Spezialisierung bzw. allgemeinen Bildung, die erforderlichen Voraussetzungen für eine schriftliche Arbeit, die Einbindung von Praktika" (Erklärende Vereinbarung, Paragraf 36)
Die verschiedenen Dokumente, die zusätzlich zum eigentlichen Abschlusszeugnis ausgestellt werden wie z. B. das "Diploma Supplement", eine Notenabschrift oder jedes sonstige, die Learning Outcomes beschreibende Dokument ermöglichen es, die Bewertung einer Qualifikation weiter zu präzisieren.

Akademische und berufliche Möglichkeiten

Die akademischen (Zugang zu einem Aufbaustudium) und beruflichen Möglichkeiten sind ausschlaggebend für die Referenzierung innerhalb eines internationalen Rahmenwerkes wie z. B. der ISCED und wertvolle Indizien für eine detaillierte Bewertung des zu prüfenden Abschlusses.
"Es besteht ein enger Bezug zwischen der Bewertung ausländischer Qualifikationen und der oder den Zweckbestimmungen, weswegen die Anerkennung beantragt wurde. Eine Qualifikation kann beispielsweise im Hinblick auf ein Aufbaustudium sinnvoll sein, während sie für einen unmittelbaren Berufseinstieg eher ungeeignet ist. Genauso kann eine Qualifikation für einen Berufseinstieg, jedoch nicht für ein Aufbaustudium angemessen sein, etwa auf Doktoratsebene" (Erklärende Vereinbarung, Paragraf 32)

Qualitätssicherung

Das letzte Beurteilungskriterium, das zur Ausstellung eines Vergleichbarkeitsnachweises herangezogen wird, ist eine - bezogen auf Ausbildung und Bildungseinrichtung - unabhängige und externe Bewertung. Die Relevanz einer solchen Bewertung steht im Zusammenhang mit der Entwicklung eines weltweiten Bildungskontextes.
"Die Kenntnis der Qualität einer bestimmten Einrichtung oder eines bestimmten Programms ist für die Feststellung wichtig, ob eine von dieser Einrichtung oder auf der Grundlage dieses Programms ausgestellte Qualifikation anerkannt werden soll."
(Erläuternder Bericht zum Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region, Artikel VIII.1).